
Ein offener Brief an Microsoft
geschrieben am 05.05.2006 in Computerecke von Joe ·
Liebe Firma Microsoft,
schon viele Jahre verwende ich Euer Betriebsystem „Windows XP“ und davor auch „Windows NT“ und „Windows 98“. Ihr steckt viele Millionen Euro in die Entwicklung, aber die einfachsten Sachen bekommt Ihr nicht hin!
Damit Ihr mich nicht falsch versteht, ich bin keiner dieser notorischen Microsoft-Gegner, die – egal was Ihr auch tut – immer nur meckern könnt. Im Gegenteil, viele Eurer Softwareprodukte setzen ohne Zweifel Maßstäbe. Für Windows zu entwickeln macht ohne Frage viel Spaß, dank Eurer Bibliotheken MFC und DirectX: Schön, dass die Zeiten vorbei sind, wo sich der Programmierer noch um jede Grafikkarte selbst kümmern musste. Und dass der liebe Bill viel Geld für gute Zwecke hergibt, verdient sogar uneingeschränkte Bewunderung. Aber manchmal frage ich mich, ob Ihr nicht dazu imstande seid, einfach zu denken. Alle ein oder zwei Jahre wird für mein XP mal wieder eine Neuinstallation fällig. Ich installiere Programme, teste sie und schmeiß sie wieder runter. Manchmal funktionieren die Deinstaller gar nicht, meistens scheinen sie zu funktionieren, aber irgendwelche Reste bleiben immer zurück. Warum sind auf meiner Festplatte noch Programmordner mit Inhalten von Programmen, die ich schon seit Monaten runtergeworfen hatte und auch nie mehr verwenden werde. Warum muss ich meinen Desktop alle paar Wochen „ausmisten“, da ich sonst vor lauter Icons nichts mehr finde?
Warum macht Ihr nur alles so kompliziert? 1994 auf meinem Amiga OS 3 war vieles besser. Wenn ich ein Programm installieren wollte, habe ich einfach einen Ordner erstellt und alle Dateien reinkopiert. Kein Installieren, kein Streß – und wenn doch ein Installer dabei war, wusste ich was er machte! Ich wusste genau, wo das Programm auf meiner Festplatte lag. Aber noch schöner – wenn ich es nicht mehr wollte habe ich den Ordner einfach gelöscht. Das Programm war auf immer und ewig weg. Keine Rückstände, keine Verknüpfungen, die plötzlich nicht mehr funktionieren, weil der Deinstaller gepatzt hat. Keine zig-Einträge in der Registry, die für immer zurückbleiben und meinen geliebten Rechner langsamer machen.
Und wenn ich ein Programm nur ausprobieren wollte, habe ich es auf meine „Ram Disk“ kopiert. Wenn es mir dann nicht gefallen hat, einfach Neustart und alles war erledigt. Warum geht das mit XP nicht? Der Sinn der Registry erschließt sich mir sowieso nicht – warum können Programme Ihre Informationen nicht da speichern, wo Sie hingehören: In ihrem eigenen Programmordner.
Und warum verursacht Ihr so ein Chaos auf meinem Desktop. Da gibt es „Eigene Dateien“, einen „Arbeitsplatz“ und jede Menge Shortcuts, die mir von Programminstallationen aufgezwungen werden. Warum sehe ich da nicht einfach meine physikalischen Medien: Meine Festplatten, CD-ROM und DVD-Laufwerke? So wie früher, 1985 auf dem ersten Amiga OS? Und wenn ich doch einen anderen Ordner oder ein Programm auf meinem Start-Desktop haben wollte, habe ich einfach eine Verknüpfung erstellt. Jedensfalls, war damals mein Desktop immer schön sauber und übersichtlich. Neuinstallation war bei mir nur nötig, wenn mal ein größeres Betriebsystem-Update kam. Und dann habe ich vor dem Formatieren alle Daten auf die zweite Partition geschoben (später dann CDs gebrannt) und nach Installation wieder zurückgezogen und alle Programm liefen wieder ohne Probleme. Versuch’ das mal auf Windows!
Überhaupt der Programmordner „Eigene Dateien“: Gehören Dateien, die ich woanders hinspeichere dann nicht mir?
Das Thema Ressourcen finde ich auch klasse, und da freu ich mich auch schon tierisch auf Vista: Es müsste doch auch möglich sein, ein gutes Betriebsystem zu machen, dass nicht hunderte oder gar tausende von MB auf meiner Platte zumüllt. Dann hätte es auch keine 50 Millionen Source Code Zeilen, Eure Entwickler würden noch durchblicken und die ein oder andere Sicherheitslücke würde uns erspart bleiben. Schlanker würde auch schneller bedeuten – deshalb, eine Bitte: Werft Euren kompletten Programmcode weg, macht kein Backup, geht nicht über Los und zieht keine 4000 Euro ein: Macht’s neu – ich bin sicher Ihr könnt es besser!
Leider bin ich auf Windows XP angewiesen. Für mein geliebtes Amiga OS gibt es die Software, die ich benötige nicht mehr. Der Beweis, dass ein modernes Betriebsystem, schneller, schlanker und hübscher als XP sein kann, hat MorphOS eindrucksvoll bewiesen – aber auch hier: Ohne Software kann man nicht viel damit anfangen. Mac OS war bis zu Mac OS 9 auch keine Alternative: Die setzten ja bis dahin immer noch auf kooperatives Multitasking, was das Ding häufiger als „XP im Chaos-Mode“ abstürzen lies.
Über OS X hörte ich bisher viel gutes, mal schauen, ob es micht überzeugen kann, wenn ich nächsten Monat meinen neuen Mac auf dem Schreibtisch stehen habe. Hoffentlich kann man da den ganzen Grafik- und Animations-Schnick-Schnack auch abschalten.


am 6. Mai 2006 um 11:23 Uhr :
Du hast 1985 sachen auf CD gebrannt? Erstaunlich!
am 6. Mai 2006 um 11:25 Uhr :
Uppps… ne, das war dann damals die zweite Partition. Voll erwischt. Werde ich gleich verbessern. Danke für den Hinweis! Ach ja, 1985 hat man das OS noch von Diskette gebottet
Festplatte kam bei mir sowieso erst viel später!
am 6. Mai 2006 um 11:25 Uhr :
Ich bin nun wirklich kein Windows Fan. Aber ich seh das alles ganz anderst. Warum halten sich viele Programme nicht daran ihre Daten in “Eigene Dateien” zu Speichern. Das ist nunmal nötig für Multiuser Systeme. Und das macht das Backup viel leichter.
Die Software installation ist wirklich Mist, aber die Frage ist möchte man auf DLLs verzichten. Das würde nur dazu führen das die Programme viel mehr Ram benötigen.
am 6. Mai 2006 um 11:26 Uhr :
Das man auf DLLs verzichten sollte habe ich niergends behauptet. Im Gegenteil, auch beim Amiga OS gab es schon seit Begin sog. Librarys, die den heutigen DLLs sehr nahe standen.
am 6. Mai 2006 um 11:26 Uhr :
Zum Thema “Multi User” / “Eigene Dateien”: Da hast Du sogar recht, aber auch damals auf Amiga OS hatte ich für meine Dokumente einen eigenen Ordner angelegt. Meine Final Writer Briefe habe ich immer fein in “Dokumente/Briefe” gespeichert
Aber ich gebe Dir recht, einiges in dem Artikel ist (absichtlich) etwas überspitzt dargestellt
am 6. Mai 2006 um 11:27 Uhr :
Hach’ ja, früher war alles besser. Auch ich vermisse Intuition, doch zumindest die intuition.library.
Wenn ich mich richtig erinnere mußte ich beim Amiga-Installer immer wieder ein Vorher-Backup von s:startup-sequence und s:user-startup machen. Der war nicht wirklich transparent und die Programme haben damals schon hingeschmiert, wohin sie wollten. Das Betriebssystem hat es nicht verhindert. O.K., da war der gesunde Menschenverstand.
Die Migration von Kickstart 1.3 nach 2.1 und später 3.x war auch nicht wirklich sanft, weil sich gleichzeitig die Hardwareplattform geändert hat.
Früher war halt alles besser, weil lange nicht so viele Funktionen im System waren: Netzwerklayer beim Amiga? Multiuser? Ich weis nicht, wie es mit aktueller Hardware und Treibern dazu beim Amiga aussieht - optische Maus, USB, SATA, 64Bit Power4 CPU?
Achja - ich bin ein notorischer Micki-Soft Gegner
am 6. Mai 2006 um 18:32 Uhr :
Im Amiga Future Forum ist eine interessante Diskussion um das Thema entstanden. Der Link lautet: http://www.amigafuture.de/forum/viewtopic.php?t=11455
am 11. Mai 2006 um 11:25 Uhr :
ich arbeite auch täglich mit WinXP, habe mir aber aus Jux wieder nen Amiga angeschafft.
Einfach schön, wie zackig die kleine ist
OS4 habe ich mal durch Zufall gesehen und war erstaunt wie super das lief. Spiele mit dem Gedanken mir einen Amiga der neuen Generation zu kaufen, den MAC und Linux kann ich nix abgewinnen.
am 11. April 2008 um 07:58 Uhr :
Sounds attractive. I’m totally agree with you.