Erfolg durch emotionale Zielsetzung
geschrieben am 22.05.2007 in Erfolg von Joe ·

Motvations-Lehrer, wie Brian Tracy, beichten es seit Jahren: Man muss sich hohe Ziele stecken wenn man erfolgreich sein will. Für ein Unternehmen oder einen Unternehmer kann dies ein bestimmtes Umsatzziel oder ein bestimmter Marktanteil sein. Fakt ist aber, dass viele hochgesteckten Ziele, trotz beachtlichem Einsatz, heute nicht erreicht werden. Mit Psychotricks versuchen sich Unternehmer täglich ihr Ziel einzureden. So wird das Unterbewusstsein aktiviert, und das Ziel erreicht sich von selbst. Zumindest wird es so von den Erfolgs- und Motivations-Autoren immer wieder berichtet.

Doch ein Mann hat einen unglaublichen Erfolg, der gegen viele dieser Regeln verstößt und somit vielleicht die komplette Erfolgsliteratur in Frage stellt. Die Rede ist von Armin Veh - seines Zeichens Trainer beim Fußballverein VFB Stuttgart - dem man noch vor einem Jahr nichts zugetraut hat und der jetzt die Deutsche Meisterschaft geholt hat und gleichzeitig im DFB Pokal-Finale steht.


Sein Saisonziel lautete nicht etwa “Wir werden Deutscher Meister!”, nein, es lautete: “Wir wollen unseren Zuschauern und Fans schönen leidenschaftlichen Offensiv-Fußball zeigen.” Das ist eine höchst interessante Zielsetzung, in einem Business, indem es für die Vereine in erster Linie auch um Zahlen und Geld geht.

Die Vorteile dieses Ziels gegenüber einem “klassischen” erfolgsorientiertem Ziel sind:

  • Es ist ein ehrenhaftes Ziel. Es geht nicht darum für den Verein einen Titel einzuheimsen, es geht darum den Fans den tollsten Fußball der Liga zu zeigen und somit vielen Menschen Spiel für Spiel eine Freude zu machen.
  • Es ist ein Ziel, dass jeden Tag umgesetzt und erreicht werden kann. Ein Ziel wie “Deutscher Meister”, verliert man zu schnell aus den Augen, doch schönen, leidenschaftlichen Fußball kann jeden Tag auf dem Platz umgesetzt werden.
  • Offensiv-Fußball macht Spaß. Und ist der Spaß vorhanden ist die Motavtion hoch. Bei einem Tabellenplatz-Ziel muss man sich das Erreichen täglich neu vor Augen führen und sich täglich neu motivieren. Doch Armin Veh hat ein Ziel ausgegeben, das von selbst schon für Motivation steht. Ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.
  • Kein Druck. Armin Veh hatte die jüngste Manschaft in der Saision - gleichzeitg hat keine so befreit und cool aufgespielt wie der VFB. Und auch im letzten Spiel, in dem es um alles oder nichts ging, blieb die Manschaft cool und locker - und spielte scheinbar völlig ohne Druck. Da kein Ziel ausgegeben wurde, das nicht erreicht werden muß, ist auch der Druck, an dem Schalke 04 letztlich zerbrach, aufgekommen. Selbst als am vorletzten Spieltag der VFB Meisterfavorit wurde, indem er den 1. Platz der Tabelle erreichte, erstaunte die zurückhaltenden und sympathischen Aussagen von Veh. Sie wollen gewinnen, aber auch ein zweiter Platz wäre ein großer Erfolg. Dies klang nicht wie ein Psychotrick, sondern aufrichtig und ehrlich.
  • Durch die zurückhaltende Art des VFB wurde er von der Konkurrenz nicht ernstgenommen, was dem VFB in der Außenseiterrolle ebenfalls einen Vorteil verschaffte.
  • Als Armin Veh sein Traineramt antrat hagelte es von allen Seiten Kritik. Darauf konterte Veh, mit einem höflichen; “Ich lasse mich am Ende der Saison messen”. Hatte er schon eine Vorahnung was er erreichen würde?

Übertägt man dieses Schema nun auf ein Unternehmen, stellt sich die Frage, ob eine Umsatzbezogene Zielsetzung die Richtige ist? Ein Jahresziel, wie z.B.: “Wir möchten dem Kunden den bestmöglichsten Service bieten” oder “Wir möchten dem Kunden Produkte von höchster Qualtität bieten, die diesem die Arbeit erleichtern”, sind viel ehrenwertere Ziele als irgendwelche kalten Zahlen.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Diese Ziele sind einfacher umzusetzen, da man Sie ständig vor Augen hat. Man kann jeden Tag für diese Philosophie arbeiten. Man verliert das Ziel nicht aus den Augen. Diese Ziele sind emotional und erleichtern es den Mitarbeitern sich mit diesen zu identifizieren. Eine höhere Produktivität wird dadurch erreicht. Ein Jahresziel ist auch in der Hinsicht ein Nachteil, da man es logischerweise nur einmal im Jahr erreichen kann. Es motiviert aber ungemein mehr, wenn man sein Ziel jeden Tag aufs Neue erreichen kann.

Über Erfolg- und Misserfolg entscheidet also in erster Linie die richtige Zielsetzung:

  • Das Ziel sollte niemandem Nachteile bringen (bei Marktanteil-Zielen, wird beispielsweise in der Formulierung GEGEN ein Konkurrenzunternehmen gearbeitet, was unbewusst ein negativen Ton beinhaltet).
  • Man sollte sich mit dem Ziel identifizieren können und es jeden Tag aufs Neue erreichen können.